Gespeichert unter: Bekenntnisse, Neue Maier-Lyrik — Dezember 10, 2017 @ 11:00

Frieden machen?

Wir dürfen keinen Frieden machen,
keinerlei Frieden
mit dem Unfrieden.

Krieg ist Unfrieden.
Aber nicht nur der Krieg,
auch Unterdrückung,
auch Ungerechtigkeit,
auch die Zerstörung der Lebenswelt
vieler Menschen
oder sogar aller.
Auch die unfriedliche Bekämpfung
des Krieges
ist Krieg,
ist Unfrieden pur.

Aber wir dürfen Unfrieden nicht dulden,
schon gar nicht in Kauf nehmen,
schon gar nicht befördern,
schon gar nicht bewirken,
schon gar nicht anstreben.

Frieden soll sein,
der dem Unfrieden den Boden entzieht,
der uns stark macht
gegen die Verheißungen
des Unfriedens,
gegen die Verharmlosung
des Unfriedens,
gegen die Eliminierung
des Bewusstseins,
dass Unfrieden gefährlicher ist
sogar noch
als romantische Kriegsgelüste,
weil es doch
immer schon Kriege gegeben habe
und die Ungleichheit
des Lebensrechts
von Menschen
unterschiedlicher Völker
und Klassen
und den Mangel an
Verantwortung und Güte
gegenüber allen Menschen in Not.

So dumm können wir
ernsthaft nicht sein,
dass wir nicht erkennen, wohin
die Herrschaft der Menschen
über andere Menschen,
die Herrschaft über die Natur,
die Herrschaft über die Logik
uns schließlich führt,
führen muss.

Bestimmt nicht
zum Frieden
und bestimmt nicht
zum Verschwinden
des Unfriedens
und niemals
zum Glück;
aber ganz sicher
am Ende
zum Ende der Menschheit.

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — Dezember 5, 2017 @ 6:10

Der Preis

Der Preis für das hohe Alter,
das lange Leben:
die heiligen Orte,
wo die Ressourcen schlummerten.
Sie werden verbraucht.

Der Preis für den Verbrauch
der Ressourcen:
die heilenden Kräfte
der Mutter Erde
verschwinden.

Wir machen das alles selber,
bis alle heiligen Orte,
alle heilenden Kräfte,
alle Ressourcen
für die Machermenschen
dahin sind.

Gespeichert unter: Spiegel (u.ä.)-Ecke — Dezember 2, 2017 @ 12:13

Die Notwendigkeit der Entknotung

Christopher Wimmer weist in seinem Artikel im Freitag vom 30.11.2017 “Die Entknoterin” zum 80. Geburtstag von Frigga Haug auf die marxsche Forderung hin, “alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Diese Forderung ist der Grund, warum Frigga Haug zeigt, dass Marxismus und Feminismus zusammengedacht werden müssen: “Feminismus ist ohne eine Kritik am Kapitalismus ebenso wenig denkbar wie ein Marxismus, der eine Kritik der Geschlechterverhältnisse vergisst.”
Wimmer stellt fest: “Haug spricht vom ‘Herrschaftsknoten‘. In ihm sind verschiedene Fäden der Herrschaft zusammengeknotet. Er wirkt zwar auf alle, aber auf alle unterschiedlich. Wird er an einer Stelle gelockert, wird es an anderer Stelle enger. So erscheint es häufig so, als ob Verbesserungen für Geflüchtete Verschlechterungen für einkommensschwache Gruppen mit sich brächten. Trotzdem geht es Haug darum, gemeinsamen Widerstand zu organisieren”.
Die Linke muss sich dessen in ihrer Selbstbesinnung dringend vergegenwärtigen!

Gespeichert unter: Aus älterem Archiv — Dezember 1, 2017 @ 4:48

Ach!

Ach, wie verbogen bist du doch, Zeit:
ich habe dich nie recht verstanden.

Diese Aussage aus einem Gedicht aus älterem Archiv möchte ich dem Text voranstellen, weil mir selber beim Lesen erneut deutlich geworden ist, wie mehrdeutig sie sein kann. Nun das Gedicht selber:

Ach!

Ach, wie verbogen bist du doch, Zeit:
ich habe dich nie recht verstanden.
Du bist nicht verrückt und du bist nicht gescheit;
du verläufst grad so zwischen den Quanten.

Ach, wie gekrümmt bist du leider, du Raum:
wie gekrümmt sind die Leiber, die Buckel.
Du nährst uns und wehrst nicht Visionen und Traum:
doch wir hängen zu sehr noch am Nuckel.

Ihr tut nichts, ihr seid nichts;
ihr seid alte Tanten.
Ach, und ihr seid nichts als rostende Wanten.

Ihr ruht nicht , ihr seid nichts;
ihr lasst uns nur suchen.
Bei euch können Sinn wir und Grund niemals buchen.

Ach, wie verbogen bist du doch, Zeit:
ich habe dich nie recht verstanden.
Du bist nicht verrückt und du bist nicht gescheit;
du verläufst grad so zwischen den Quanten.

Ach, wie gekrümmt bist du leider, du Raum:
wie gekrümmt sind die Leiber, die Buckel.
Du nährst uns und wehrst nicht Visionen und Traum:
doch wir hängen zu sehr noch am Nuckel.

Gespeichert unter: Allgemein — November 30, 2017 @ 11:50

Ein Novemberende*

 -

Schwarz-Weiß-Grafik mit frischem Schnee
auf der Baumgeäst-Silhouette;
endgültig verabschiedet: der bunte Herbst.

*ein Achtundzwanziger (http://www.maierlyrik.de/blog/der-dreizeiler-mit-dem-namen-achtundzwanziger/)

Gespeichert unter: Allgemein — November 26, 2017 @ 5:02

Ende des Kapitalismus? - Was mir von einem spannenden Vortrag von Ulrike Herrmann in der Esslinger Dieselstraße heute, am 26.11.2017, als Fazit geblieben ist

Der Kapitalismus – nicht die Marktwirtschaft – hat mehr Wohlstand in den kapitalistischen Ländern mit sich gebracht, nämlich durch gewinnverheißende Investitionen in größere Produktivität. Zu denen wurden und werden die Unternehmen allerdings erst durch steigende Löhne gezwungen, weil sie sonst nicht mehr konkurrenzfähig wären/gewesen wären. Die Gewerkschaften haben also durch Erkämpfung höherer Löhne einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung gehabt.

Das heißt aber nicht, dass der gesellschaftliche Unterschied zwischen Reichen und Armen dadurch aufgehoben worden wäre. Das ist in einer Demokratie auf Dauer nicht tragbar. Außerdem ist der Kapitalismus auf ständiges Wachstum angelegt. Da wir aber auf dieser Erde keine unendlichen Resourcen zur Verfügung haben, ist die ständige Weiterentwicklung des Kapitalismus unmöglich und sein unvermeidliches Ende kann höchstens durch den Verlust der Demokratie aufgeschoben werden.

Wir haben also keine andere demokratische Chance als eine demokratische Alternative zum Kapitalismus zu finden. Wie aber kommen wir friedlich zu einer ökologischen Kreislaufwirtschaft?

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — November 23, 2017 @ 11:24

Manchmal

Manchmal höre ich,
was ich erwarte,
dass es geschieht.
Manchmal höre ich,
was ich mir wünsche,
dass es geschieht.
Manchmal höre ich,
was ich befürchte,
dass es geschieht.
Schritte auf den Treppenstufen
zum Beispiel.
Und nichts davon geschieht
wirklich.

Aber es wirkt
tatsächlich.

Gespeichert unter: Allgemein, Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik — November 22, 2017 @ 2:17

Heimat?*


Heimat – kann man das noch sagen?
Ist das nicht schon allzu belastet?
Ich spreche doch lieber von Verankerung.

*ein Achtundzwanziger (http://www.maierlyrik.de/blog/der-dreizeiler-mit-dem-namen-achtundzwanziger/)

Gespeichert unter: Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik — November 20, 2017 @ 2:22

Zum Ende des sogenannten Jamaikas*

Nicht gar sich die Hände reiben,
wenn sie sich nicht die Hände reichen!
Doch die Augen sich reiben ist schon erlaubt.

*ein Achtundzwanziger

Gespeichert unter: Allgemein — November 17, 2017 @ 3:45

Prozess gegen die DB vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart

Wenn ich den Rechtsvertreter des Projekts Stuttgart 21 beim gestrigen Prozess vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart über Herausgabe von Informationen im Zusammenhang mit den Risiken bei Stuttgart 21 richtig verstanden habe, hat er bestritten dass die DB als juristische Person eine öffentliche Aufgabe der umweltbezogenen Daseinsvorsorge übernommen hat.

Das finde ich unglaublich. Ist die Bahn als Unternehmen wirklich nicht mehr der öffentlichen Daseinsvorsorge vepflichtet? Hat also die Bundesrepublik mit der Gründung der Bahn AG auf die Erfüllung der entsprechenden Aufgaben der Bundesbahn wirklich verzichtet?

Ich halte dem Bundesgesetzgeber mindestens zugute, dass er bei der Gründung der DB AG darauf vertrauen durfte, dass dieses Unternehmen schon vom Artikel 14, Absatz 2 des Grundgesetzes her „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ entsprechende Aufgaben zu erfüllen hätte. Aber genügt das?

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von letzter Woche zum Fragerecht der Abgeordneten spricht doch eigentlich eine andere Sprache.